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Die Kirche


Bis die 'Oude Kerk' (Alte Kirche), die älteste Pfarrkirche von Amsterdam, ihre heutige Form erlangt hatte, zogen gut drei Jahrhunderte ins Land. Die Kirche erlebte fast ebensoviel Bauabschnitte, wie sie Kapellen hat. Die erste Bauphase liegt im Dunkeln. Archäologen vermuten, dass die 'Am(e)stelledammers' ihr erstes Gotteshaus Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten. Als Bauplatz wählten sie eine Warft am Ostufer der Amstel, die als Friedhof in Gebrauch war. Die neue Kirche erhielt die Form einer Basilika. Trotz ihrer Länge von immerhin 40 Metern war sie nach noch nicht einmal drei Jahrzehnten zu klein geworden. Nach der Verleihung der Stadtrechte durch den Grafen von Holland im Jahre 1300 verzeichnete Amsterdam nämlich einen starken Bevölkerungszuwachs. Es war der Anfang eines dynamischen Wirtschaftswachstums, das viele Landbewohner und Kaufleute in die junge Stadt lockte.

Der neue Bauplan war sehr ambitiös: Er sah eine aus drei gleichgestaltigen Schiffen zusammengesetzte Hallenkirche mit einem lang gestreckten Chor in der Verlängerung des Mittelschiffes vor. Die Kirche wurde Sankt Nikolaus gewidmet, dem Schutzheiligen der Seeleute und kurioserweise später auch der Bäcker. Der Bau wurde in verschiedenen Abschnitten realisiert.

Bereits nach einem halben Jahrhundert war die Kirche wiederum zu klein geworden. Die Lösung lag auf der Hand: Die Seitenschiffe wurden verlängert und wie ein Mantel um den Chor herumgezogen. So entstand der so genannte Chorumgang. Um der Kirche eine Kreuzform zu verleihen, wurden Querschiffe gebaut. Dieser Bauabschnitt zog sich sehr lange hin, vermutlich infolge der Großbrände von 1421 und 1452, die große Teile der aus Holz errichteten Stadt in Schutt und Asche legten. Nur die Kirche blieb wie durch ein Wunder verschont. Ein weiteres Hindernis war der Bau der 'Nieuwe Kerk' (Neue Kirche) auf dem Dam, die sich als Rivalin im Kampf um die Gelder entpuppte. Zudem geriet die Oude Kerk nun auch in Konflikt mit der umliegenden Bebauung, was größere Erweiterungen in die Breite unmöglich machte. Das Ende der Baugeschichte kam in Sicht. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden zwar noch Seitenkapellen an der Nord- und Südseite angebaut, aber damit war der heutige Grundriss erreicht. In der letzten Bauphase wurden das Mittelschiff, die Vierung und der Chor mit Lichtgaden erhöht. Bewusst oder unbewusst waren die Baumeister damit zu dem Modell der Kirche zurückgekehrt, wie sie ursprünglich auf der Warft am Amstelufer geplant war. Die Grenzen des Wachstums waren erreicht: Die Kirche maß ca. 70 mal 60 mal 20 Meter.

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Innen


Ca. 1300: Bau einer dreischiffigen Pseudobasilika mit schmalen Seitenschiffen und kleinem, rechteckigem Chor. Der Turm wird etwas später erbaut.

1370: Der kleine Chor wird durch einen größeren, an mehreren Seiten geschlossenen Chor ersetzt.

1390: Das Schiff wird komplett durch drei gleich breite und gleich hohe Schiffe ersetzt. So entsteht die vermutlich erste Hallenkirche der Niederlande.

 

Ca. 1460: Die Seitenschiffe werden in östlicher Richtung verlängert und der Chor wird mit einem Chorumgang versehen - für Hallenkirchen ein Unikum. An der Südseite wird eine Kapelle errichtet.

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Von 1485 bis 1517 werden an der Nord- und Südseite des Schiffs Querkapellen erbaut und wird das Querschiff weiter ausgebaut. Es entstehen Portale und andere Nebenräume, wie die IJzeren Kapel (Eiserne Kapelle), wo das Stadtarchiv untergebracht wird, und das Heilig Graf (Heilige Grab) an der Nordseite.


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Um 1510 wird das Mittelschiff erhöht und mit Fenstern versehen.

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Von 1550 bis 1560 wurde an der Nordseite des Chors die Mariakapelle erbaut und die Vierung und der Chor erhöht.

 

 

Die Alteration

Im Jahre 1566 hinterließ der sogenannte Bildersturm eine Spur der Verwüstung in den Niederlanden. Auch die Oude Kerk blieb davon nicht verschont. Glaubensfanatiker richteten Plünderungen und Zerstörungen an. Die Machtübernahme durch die Kalvinisten im Jahre 1578 erledigte den Rest. Heiligenbilder und Altare wurden aus der Kirche entfernt, und die Malereien in den Gewölben und auf den Gewölbeplatten blieben der Nachwelt – zwar unter einer dicken Farbschicht –  nur deshalb erhalten, weil sie schwer zu erreichen waren.

Vor dieser so genannten Alteration – unter dieser Bezeichnung ging die Konvertierung vom katholischen zum protestantischen Glauben in die Geschichte ein – war die Oude Kerk sozusagen das Wohnzimmer der Stadt. So wie heutzutage Obdachlose Zuflucht im Amsterdamer Hauptbahnhof suchen, schliefen damals Vagabunden und Bettler in der Kirche und boten Hausierer dort ihre Waren feil. Wie die Inschrift auf dem Chorgitter an der Schiffsseite zeigt, war dies den Anhängern von Calvin ein Dorn im Auge. Sie sorgten dafür dass der Augiasstall gründlich ausgemistet wurde.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts erlangte das Innere der Kirche - Kanzel, Grabdenkmäler und Gedenksteine - seine heutige Gestalt. Die beiden Orgeln, die für Konzerte und in Gottesdiensten benutzt wurden, wurden von Zeit zu Zeit umgebaut. Am bekanntesten ist die 1724/1742 von Christian Vater und Johann Caspar Müller erbaute große Orgel.

Die Veränderungen beschränkten sich jedoch nicht auf das Kircheninnere. Im 18. Jahrhundert wurden die letzten Baumaßnahmen fertig gestellt: Ein Ring von kleinen Häusern, die an die Kirche angelehnt waren.

Ungefähr zur gleichen Zeit wurden Teile des eichenhölzernen Gewölbes renoviert, wodurch ein Teil der Malereien verloren ging. Im Jahre 1755 wurde das Gewölbe komplett in 'Berliner Blau' übermalt. Unter dieser Farbschicht setzte jedoch Holzfäule ein, die Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich sichtbar wurde. Von 1912 bis 1914 wurden mehrere behelfsmäßige Restaurierungen durchgeführt, die sich jedoch als unwirksam erwiesen, und 1951 musste die Oude Kerk wegen Einsturzgefahr ihre Pforten schließen.

Im Jahre 1955 übernahm die Amsterdamer Stiftung De Oude Kerk die Kirche von der Nederlandse Hervormde Gemeente. Danach wurde eine umfangreiche Restaurierung durchgeführt, die 1979 abgeschlossen wurde. Im Zuge der von 1994 bis 1998 vorgenommenen Erhaltungsrenovierung wurden die Glasmalereifenster an der Außenseite mit einer Schutzschicht versehen. Inzwischen hat die Oude Kerk den Status eines Europäischen Kulturdenkmals und steht damit auf gleichem Fuß mit den wichtigsten Denkmälern Europas.

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1571 – sieben Jahre bevor die Kirche protestantisch wurde – wird das Kollegzimmer der O.L.Vrouwe-Gilde an die Mariakapelle angebaut.